Neue CD von Arndt und Kieckbusch: "Entgegnungen"
von Bodo Schnekenburger
Klavierduo-Musik frei jeglicher überkommener Romantik, Stücke von inspiriertem Charakter, haben ihren besonderen Reiz. Jetzt liegt eine neue Produktion vor. »Entgegnungen« heißt das Werk, das Bernhard Arndt und Uli Johannes Kieckbusch eingespielt haben, und noch einer ist daran beteiligt, der Künstler Gotthard Glitsch nämlich, dessen lyrische Impressionen knapp aber ausdrucksstark die elf Szenen schildern, fassen, erklären.
Solche Erklärung kann hilfreich sein, ist sie doch möglicher Anhaltspunkt, mögliche Richtschnur, für jene, die bislang keinen Zugang zu Neuer Musik gesucht haben, birgt aber auch die Gefahr, ein »unverstelltes« Hören, die sinnliche Erfahrung als Primat zu benennen, von vorne herein auszublenden.
Doch solche Gedanken sind Beiwerk. Kern der Produktion ist schließlich die Musik, elf Stücke, denen man einen Doppelcharakter nicht absprechen kann, Szenen, die Innerlichkeit vermitteln, die. sich emotional Ausdruck verschafft, die gleichzeitig aber auch den analysierenden Blick von außen bietet. Es ist auch möglich, so der Eindruck beim Hören, die verschiedenen Szenen als Gesamtes zu sehen, als Abfolge, deren Dramaturgie freilich dem Hörer überlassen bleibt, denn verschiedene Konfigurationen ergäben musikalisch Sinn. So wie Arndt und Kieckbusch sie inszenieren, bleiben sie offen. Die Spannung, die in großen Bögen immer wieder neu entsteht, wird am Ende nicht gelöst.
»Erregung« ist das letzte Stück, die letzte Bewegung überschrieben, eine impulsive Szene, deren schließlich sich verlangsamendes Tempo eine Art Mechanismus offenbart, eine Idee von Melodie, die beständig aufgeschlüsselt wird und in der Bewegung unvermittelt endet.
Bis dahin war es ein weiter Weg, beginnend mit einem nachgerade eruptiven Einstieg, der das thematische Material bündelt, ohne die Ausdrucksformen vorweg zu nehmen, die Stücken wie »Besinnung« mit seinen sich ausbildenden verschiedenen Ebenen, »Entgegnung«, in der in organischem Prozess eine ständige Frequenzerhöhung stattfindet, oder »Durchbruch«, dessen zerrissener Anfang in Flächen mündet, auf denen leichtes Spiel vorherrscht, das sich zu einer Halle aus Klang türmt und rauschhaft lange ausklingt, ihre Charakter verleihen.
Immer wieder mischen sich perkussive Elemente in die Musik, spielt zumindest ein Pianist mit präpariertem Klavier. Es entstehen klangästhetische Entgegensetzungen, die den diskursiven Aspekt der Stücke erhöhen. Wo man wieder am Ausgangspunkt angelangt wäre: Die Dramaturgie dieses Diskurses bleibt dem Hörer überlassen. Variation erhöht in diesem Fall die Spannung, deckt Bezüge auf, lässt die CD von Bernhard Arndt und Uli Johannes Kieckbusch immer wieder neu erscheinen.