Repetitive Structures



Englische Übersetzung

Uli Johannes Kieckbusch, geb. am 6. 2. 1954 in Bruchsal, studierte von 1974-82 an der staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen. Bereits während seines Studiums machte er durch sein Engagement für Neue Musik und Jazz auf sich aufmerksam; er veranstaltete und leitete Seminare, Workshops und Konzerte.

Seit 1978 tritt Kieckbusch sowohl als Leiter verschiedener Ensembles wie auch als Solopianist an die Öffentlichkeit. In seinem Spiel kristallisierte sich eine Vorliebe für Klavierduos heraus (u.a. mit Irene Schweizer u. Borah Bergman), bei welchen er durch seine improvisatorischen Fähigkeiten auffiel.
Der Komponist Kieckbusch, der sich selbst als Grenzgänger zwischen Neuer Musik und Jazz versteht, verarbeitet in komplexer Weise zeitgenössische Kompositionsstile mit Techniken und Strukturen der Minimal Music und Jazzelementen. Die vorliegende MC REPETETIVE STRUCTURES läßt eine Auswahl von Stücken hören, in denen das Prinzip der Wiederholung verschiedener musikalischer Strukturen wichtigstes Kompositionsmerkmal ist.

Für Kieckbusch, einen großen Kenner und Schätzer der Musik des amerikanischen Komponisten und Pianisten Borah Bergmans, war es eine interessante Herausforderung, als er von diesem gebeten wurde, ein Stück für Streichquartett und Klavier zu schreiben. die vorliegende Piano Solo Version "MUSIC FOR BORAH BERGMAN" (geschrieben 1988) ist eine Hommage an den Meister, in der der melancholische Charakter der Bergmanschen Balladen sehr einfühlsam verarbeitet wird.
Die langjährige und intensive Beschäftigung mit verschiedensten Ostinatobildungen finden in drei Stücken dieser Veröffentlichung ihren Niederschlag:

- in "ETUEDE" (1987) läßt das ostinate Spiel im Diskant ein schwereloses Flirren entstehen.

- in "KIND OF DARKNESS" (1988) bewegt sich das Ostinato in dunkelsten Basslagen. Die anfangs in reduzierter Form hörbare ostinate Figur bleibt fast durchgehend präsent und bildet zugleich den Spannungsbogen.

- in "PARS PRO TOTO" (1986) drängt sich das in schleppendem Tempo vorgestellte Ostinato nach einer elegischen Improvisation swingend in den Vordergrund.

Die konsequente musikalische Auseinandersetzung mit den Werken des Schriftstellers Thomas Bernhard findet ihren Ausdruck im 1981 entstandenen Werk "KANON FÜR ZWEI KLAVIERE", das dem Schriftsteller gewidmet ist. Es ist ein überzeugender Versuch, den Texten Bernhards, in denen ein Thema ständig wiederholend umkreist und eingefangen wird, ein musikalisches Pendant gegenüberzustellen. Die vorliegende, durch Veränderung der Bandgeschwindigkeit manipulierte Fassung ist kein Kanon im konventionellen Sinne, die Interpreten haben vielmehr die Möglichkeit in das musikalische Geschehen einzugreifen, indem sie z.B. die Abstände zwischen den Klavierparts variieren.

Für Kieckbusch ist Bernhard ein "Übertreibungskünstler", der es wie kein anderer versteht, ein Thema auf die Spitze zu trieben. Kieckbusch hat dieser Übertreibung wirksam musikalischen Ausdruck verliehen: minimal aber stetig verändernd wiederholt sich das Thema und treibt mit immer dichter werdender Bewegung vorwärts.

Eine Affinität zu den Gedanken Ludwig Wittgensteins findet sich in dem 1984 geschriebenen Stück "ANĚSICHĚTEN", in dem das Thema immer wieder in jedoch veränderter Form auftaucht. Die folgende Aussage Wittgensteins ist der Untertitel von "ANĚSICHĚTEN" und könnte gleichsam als Leitmotiv für die gesamte Stücke stehen.

"Jeder Satz, den ich schreibe, meint schon immer das Ganze, also immer wieder dasselbe und es sind gleichsam nur Ansichten eines Gegenstandes unter verschiedenen Winkeln betrachtet."


Margareta Baumgarten



Englische Übersetzung


Uli Johannes Kieckbusch, born February 6th 1954 in Bruchsal (West Germany), studied at the National Academy for Musics in Trossingen from 1974-1982. Because of his commitment to new music and jazz he already attracted attention during his studies by organizing and conducting seminars, workshops and concerts.

Since 1978 Kieckbusch has appeared as conductor of various ensembles, as well as a piano solist. His preferred ensemble setting of piano duo has developed and demonstrated his special abilities for improvisation, appearing in duo with such notable instrumentalists as Irene Schweizer and Borah Bergman.

As a composer, Kieckbusch who is moving between new music and jazz uses in a complex way contemporary styles together with techniques and structures of minimal music and elements of jazz. This MC REPETITIVE STRUCTURES gives a choice of pieces in which the principle of repitition of different musical structure is an important feature.

For Kieckbusch, who knows and appreciates the music of the American composer and pianist Borah Bergman, it was an interesting challenge when he was asked to compose a piece for string quartet and piano. The present piano solo version "MUSIC FOR BORAH BERGMAN" (composed in 1988) is a homage to the artist which interprets the melancholic and lonesome character of Bergman's ballads in a very sensitive way.

Many years of intensive engagement in all possible formations of ostinati are reflected in three pieces on this reocrding: - in "ETUEDE" (1987) the ostinato creates an ethereal whirring sound effect in the treble range.

- in "KIND OF DARKNESS" (1988) the ostinato moves within dark bass notes. The ostinato figure heard in a reduced form in the beginning remains nearly continiously alive without loosing tension.

- in "PARS PRO TOTO" (1986) the dragging ostinato after an elegiac improvisation vividly swings to the foreground.

Kieckbusch's consistant preoccupation with the works of Thomas Bernhard in musical terms is present in the piece "KANON FÜR ZWEI KLAVIERE" (1981) which is dedicated to the writer. This composition is a convincing attempt to provide a musical equivalent as a contrast to Bernhard's texts in which a theme is repetitively encircled and trapped. The present version manipulated by alterations in the speed of the tape is not a conventional canon. The musicians have the possibility to join in the musical conception by varying, for example, the space between the piano parts.

In Kieckbusch's view Bernhard is a "master of exaggeration" who knows how to carry a theme to extremes in a unique way. Kieckbusch has expressed this exaggeration in musical terms quite effectively. The theme keeps recurring in a minutely but constantly changing way while proceeding in an increasingly dense motion.

An affinity to the thoughts of Ludiwg Wittgenstein can be found in "ANĚSICHĚTEN" (1984) where the theme keeps turning up again and again, yet in varied forms. "ANĚSICHĚTEN" is subtitled by the following statement of Wittgenstein which might at the same time provide the motto for all the pieces on the MC.

"Every sentence I write always contains the complete matter: it presents always the same and it is, as it were, only views of the same object from different angles."


Margareta Baumgarten
(translated by Angela Deubler)