Angela Seiwerth, Piano
Ulrike Schaper, Piano
Goetz Mursch, Piano
Uli Johannes Kieckbusch, Piano

Leitung: Dietrich Schöller-Manno



Blaumond
Nachtmusik für vier Klaviere

"Blaumond" ist eine Abendmusik, ein Nachtgesang mit dem Mond als Symbol einer langsamen, beständigen Wandlung.

Das Werk ist entsprechend dem Umlauf des Mondes ohne Anfang und Ende, von einer Phase in die nächste fließend übergehend. Die Urfassung ist eine Auftragskomposition für das 1. Internationale Klavierduo-Festival in Bad Herrenalb (2000). Damals betrug die Spielzeit mehr als drei Stunde. Für das Balinger Klavierfestival (2002) wurde eine Konzertversion erarbeitet. Gekürzt auf einen Mondzyklus beträgt die Aufführungszeit eine dreiviertel Stunde.

Die Komposition für vier Konzertflügel vertont den Lauf des Mondes am Nachthimmel und schafft dabei mit musikalischen Mitteln eine Stimmung von Frieden, Vergänglichkeit und verträumter Einkehr, die schon in vielen Liedern und Gedichten besungen wurde. Drei solcher Lieder wurden in die Kompositionen verwoben. Zudem haben die jeweiligen Pianisten auch die Möglichkeit, weitere Mond- und Abendlieder zu zitieren.

Die Musik kommt aus dem Nichts. Es beginnt der Neumond. Das tonmaterial wird zögerlich vorgestellt. Nur allmählich findet sich der Hörer ins Werk. Mit zunehmender Dauer verdichtet sich der Klang, die Linienführung wird enger, alles strebt dem Vollmond zu. In dieser Phase verschwindet die Notation. Durch die jetzt frei improvisierenden Spieler entstehen unzählige Klangbilder, bevor die Musik im "abnehmenden Mond" spiegelbildlich zurückgeführt wird, um im "Neumond" zu entschwinden.

Auf Grund der überwältigenden Resonanz bei der Uraufführung des Klavierwerkes "Blaumond" beim 1. Balinger Klavierfestival im Februar 2002 haben diesen Sommer die vier PianistInnen Ulrike Schaper, Angela Seiwerth, Götz Mursch und Uli Johannes Kieckbusch zusammen mit dem Dirigenten Dietrich Schöller-Manno in der Klavier-Klinik geprobt, um am 30. August 2003 diese "Nachtmusik für vier Klaviere" auf CD einzuspielen.

Die CD wird beim 2. Balinger Klavierfestival (19.-21.März 2004) erhältlich sein.

Den Anstoß für diese neue CD-Produktion gab das begeisterte Publikum mit seiner ständigen Nachfrage nach einem Mitschnitt der Uraufführung.

Einer breiteren Öffentlichkeit noch verborgen, aber einem kleinen Kreis von Fachleuten und einer ständig wachsenden Fangemeinde zur Freude, lässt sich in der schwäbischen Provinz eine erstaunliche Entwicklung miterleben. In dem eher undankbaren und sperrigen Bereich der Neuen Musik zeigt hier ein Komponist, dass es möglich ist, neuzeitliche Klaviermusik zu schaffen, die ein einem beachtlichen Maß innovativ und gleichzeitig dem Hörer zugänglich und zuträglich ist.

Dieses Kunststück, neue Formen und Klänge in der Musik einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen, sie gar für Neue Musik zu begeistern, schient dem Komponisten mehr als nur zu gelingen.

Fast traditionell von der Kompositionsweise her, nur ausgehend von eben dieser einen Idee, die nicht anders fassbar und realisierbar ist als in der Musik, findet er eine Form, die Hörer wie Musiker anspricht.

Ohne künstlerische Kompromisse eingehen zu müssen oder sich dem sogenannten allgemeinen Publikumsgeschmack zu unterwerfen, findet Kieckbusch seinen Ausdruck.

Er bleibt dabei "ein Grenzgänger: zwischen Neuer Musik und Jazz, zwischen Notiertem und Improvisiertem, zwischen tönender und bildender Kunst. Aber er ist keiner der modischen Crossover-Profiteure. Er hat sich große Eigenständigkeit bewahrt und die kindliche Fähigkeit, staunen und Impulsen nachgeben zu können - immer aber im Rahmen eines klaren Konzepts und soliden kompositorischen Handwerkes.

Über 40 Minuten spannt sich sein 'Blaumond', beginnt im 'Neumond' zögerlich mit einer einfachen Tonfolge, verdichtet sich bis zum Höhepunkt 'Vollmond', wird spiegelbildlich zurückgeführt in den 'Neumond' - und könnt von Neuem beginnen. Wenn man sich auf diese Musik wirklich einlässt - ihre Scheu vor auftrumpfenden Oberflächenreizen, ihr Zen-inspiriertes Hörbarmachen der Stille - dann wird man mit einem überwältigenden Reichtum an Klangfarben und -bezügen belohnt."
(Friedrich Dold)


Mond, du Freund der reinen Triebe,
schleich dich ich ihr Kämmerlein!
Sage ihr, daß ich sie liebe,
und daß sie nur ganz allein
mein Vergnügen, meine Freude,
meine Lust, mein alles ist,
daß ich gerne mit ihr leide,
wenn ihr Aug in Tränen fließt.

(aus "Guter Mond, du gehst so stille", Volkslied, um 1780)