Jazzpodium November 1996

Uli Johannes Kieckbusch

Dark Clouds
Hybrid CD9


Seine Nähe zum freien Jazz und zeitgenössischer Klaviermusik prägt das Spiel im Spannungsfeld von Improvisation und Komposition. Uli Johannes Kieckbusch arbeitet zudem mit Klangfarben und Stimmungen. "Mars nennt er das erste Solo-Stück auf dem Piano, und so kämpferisch metallen wie der Kriegsgott klingt auch die Musik.

Der technischen Raffinesse schienen in seinem virtuosen und einfallsreichen Spiel keine Grenzen gesetzt. Rollende Baßfiguren, klirrende Tonkaskaden in den hohen Lagen, hart geschlagene Cluster, eingepfählte Akkordblöcke und feine Single-Note-Ketten wechseln je nach Stimmung und Ausdruck. Kieckbusch ist ein extrovertierter Musiker, der mit voller Kraft nach vorne drängt - auch wenn er in "Winter has come" romantisch verspielt und fast suchend nach zarten Melodielinien strebt.

Das energetische "Mars" hat der Solo-Pianist Cecil Taylor gewidmet, das quirlige "Soprano" dem Saxophonisten Evan Parker, so verrät der Begleittext. "Winter has come" ist für Kieckbuschs Yogalehrerin gedacht - meditativ und impressionistisch. Das Titelstück "Dark clouds" währt eine halbe Stunde: schillernd, aufrührerisch, verfremdend und kreativ. Angerissene und zugleich angeschlagene Saiten, Ostinati, isolierte Baßakkorde stehen gegen kurze Fragmente in den mittleren Lagen. Die technische Aufnahmequalität ist hervorragend und zeichnet naturgetreu nach, wie der Pianist die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments auszuschöpfen versucht.

Kieckbuschs Spiel erfordert hohe Konzentration beim zuhören. Dafür bietet es aber auch Spannung und Überraschung, Witz und Dramatik, Ungewohntes neben Zitaten. "Dark clouds" kann man nicht nur, sondern sollte man mehrmals hören.

Klaus Mümpfer