Jazzpodium April 2004

Die Lange Nacht der Musik zum 50. Geburtstag von Uli Johannes Kieckbusch


Zu einer "Langen Nacht der Musik" rief Uli Johannes Kieckbusch und viele, viele kamen. Mit Musikern aus Deutschland, Finnland und der Schweiz zog Kieckbusch, seines Zeichens Pianist zwischen improvisierter und komponierter Musik, Bilanz anlässlich seines 50. Geburtstages und 25 Jahren kreativen Schaffens. So stand ein gutes Dutzend Musiker, die Kieckbusch bislang begleitet hatten, auf der Bühne der Hechinger Stadthalle. Einzig Irène Schweizer, die namhafte Kollegin aus dem benachbarten Zürich, musste absagen. Doch war die Bandbreite allemal gewährleistet, um die verschiedenen Facetten des Balinger Pianisten aufzuzeigen.

Drei Solo-Kompositionen spielte einleitend Goetz Mursch. Hier wird Kieckbuschs Hang zu ostinaten Strukturen und repetitiven Mustern deutlich. Improvisertes wird immer wieder eingeflochten; die Töne klingen klar aus, hören auf die Obertöne. Improvisation dann auch im Trio mit dem Münchner Flötisten Burkhard Jäckle, dem Schlagzeuger Christian Wolfarth und dem Jubilar selber am Flügel. Eine regelmäßig wiederkehrende Figur verändert sich unmerklich. "So schufen sie im ersten Teil des Stücks einen beständig wachsenden Spannungsbogen", beobachtete die Lokalzeitung, "der dem Zuhörer das Gefühl vermittelte, als werde die Musik in diesem Moment aus kleinsten Bausteinen zu einem individuellen Klangerlebnis zusammengesetzt. Angesichts häufiger Improvisationen ist dies ja auch wirklich ein wesentliches Element, das der Musik von Kieckbusch zugrunde liegt: die Entstehung im Moment für den Moment".

Seit 1988, als das Projekt mit Cecil Taylor in Berlin die Schlagzeilen beherrschte, spielt Kieckbusch hin und wieder mit dem Kollegen Bardo Henning. Auch solistisch vermochte Henning zu überzeugen mit seinem rhythmisch aufbereiteten Tableau aus romantischen und impressionistischen Passagen, die sich expressiv verzahnten. Zum Quintett erweitert mit den beiden Saxophonisten Jürg Solothurnmann und Harri Sjöström sowie dem Schlagzeuger Wolfarth wird die angefachte energetische Kommunikation nahezu eingefroren, wird Free Jazz in geordnete Bahnen gelenkt. Weitere Begegnungen bestimmten das Bild des dreistündigen Konzerts: das Duo mit dem Berliner Pianisten Bernhard Arndt etwa, mit dem Kieckbusch schon zwei Platten machte, und "Raw and Cooked", Kieckbuschs langlebigstes Trio mit den alten Gefährten Solothurnmann und Wolfarth. Humorvoll verstehen es die drei, sich über Standards herzumachen und sie lustvoll zu zerlegen.

Zum krönenden Abschluss des Geburtstagskonzerts hatte Baby Sommer ein klingendes Geschenk aus Griechenland mitgebracht. "Hydra" ist eine folklorehafte, eingängige Melodie, die Sommer mit seiner Frau, der Flötistin Katharina Hilpert interpretierte, zunächst auf der "Hang", der topfartigen Steeldrum, die in Bern hergestellt wird, bevor er sich ans gewohnte Drum Set setzte. Als "kraftvoller Abschluss einer bemerkenswerten Zwischenbilanz" ("Schwäbische Zeitung") zelebrierte Sommer eine spontane Session aller eingeladenen Musiker. Das mittelalterliche Volksstück "Kieckbusch" (!), dessen drei Teile im freien Spiel kommunikativ verbunden wurden, brachte mit seinem mächtigen Powerplay die Stadthalle ins Wanken. Uli Kieckbusch, den Pianisten und Komponisten, der auch köstliche Kostproben seines knarzigen Blues-Gesangs gab, hatīs gefreut.

Reiner Kobe