Neckarquelle / Montag, 25.06.2012

Ein anrührender Konzertabend

Tango Harmonika im Café Häring / Stimmungsintensive Mischung


So richtig gemütlich ist die Konzertatmosphäre in "Härings Kulturcafé", familiär, ein Wohnzimmerambiente zum Wohlfühlen - wie gemacht für ein Ensemble wie "TanGoHarMoniKa" um den in Balingen lebenden Uli Kieckbusch.

Jörg Wenzler


Uli Kieckbusch mit "TanGoHarMoniKa" beim Konzert im Café Häring. (Foto: Jörg Wenzler)

Schwenningen. Zum ersten Mal seien es drei Musiker, die er auf dem kleinen "Häring-Podest" habe unterbringen müssen, erklärt Kulturcafémacher Rolf Klaiber bei seiner Begrüßung am Freitagabend. Doch nach einem kleinen Podestanbau passe nun alles.

Und dann geht es los, gleich mit einem Tango, und für die nächsten beiden Stunden entführen Uli Kieckbusch (Mundharmonika und Gesang), Angela Seiwerth (Klavier) und Joachim Gröschel (Schlagzeug) ihr Publikum in eine musikalische Welt voller melancholischer Sinnlichkeit.

Es fällt schwer, für Kieckbuschs Kompositionen, eine bilderreiche, charaktervolle und stimmungsintensive, ganz spezielle musikalische Mischung aus Tango, orientalisch angehauchtem Balkanjazz, vermischt mit Blueselementen, eine Schublade zu finden. Das muss aber auch gar nicht sein.

Bei aller Melancholie schimmert in seiner Musik immer wieder Kieckbuschs leiser, verschmitzter Humor durch, etwa, wenn er einem in der Tonart g-moll geschriebenen Stück den Titel "Geh' mol her" gibt oder er mit einem wunderschönen, gefühlvollen, in einer Fantasiesprache verfassten Liebeslied beweist, dass für die Liebe keine Sprache nötig ist ("Tschapubejou").

Seiner aus Rumänien stammenden Pianistin widmete er den Titel "Daheim in der Fremde", in dem spannungsreich orientalische Skalen auf westliches Klangmaterial treffen, mit seinem verstorbenen Vater hält er in "Der hundertste Geburtstag" eine ergreifende Zwiesprache, und schließlich entführt er sein Publikum mit einem Blues "Abwärts", unter atmosphärisch so dichten Klängen, dass man in der Musik versinkt und sich unvermittelt in einen nebligen Novembermorgen auf der Alb versetzt wähnt.

Als Teenager habe er sich jahrelang mit der Mundharmonika befasst, erzählt Kieckbusch nach der Pause. Aber an der Trossinger Hochschule, wo er studiert habe, sei für Mundharmonika kein Platz gewesen, sodass er sie lange nicht mehr angerührt habe. Erst Jahre später sei er wieder auf sie zurückgekommen, habe mit Blues und orientalischen Klängen experimentiert, mit der Feile die Stimmung der Instrumente verändert, sodass jedes von ihnen quasi zum Unikat geworden sei. Und so stehen mehrere Koffer mit Mundharmonikas um ihn herum, jeder Titel braucht ein eigenes Instrument, und manchmal kann es da schon passieren, dass er danebengreift. Macht nichts, fängt man eben noch einmal von vorne an. Kieckbusch erweist sich als sympathischer, ein klein wenig verschrobener Chaot, der musikalisch aber genau weiß, was er tut. Angela Seiwerth spielt kompetent und mit viel Sensibilität, Joachim Gröschel schafft das Kunststück, sein Schlagzeug nicht nur mit großer Präzision, sondern auch mit viel Sensibilität einzusetzen, sodass er Klavier, Mundharmonikas und Gesang nicht erdrückt. Ein wunderbar anrührender Konzertabend in der musikalischen Welt des Uli Johannes Kieckbusch.

Kein Wunder, dass das Publikum begeistert applaudierte. Es hätten ein paar Zuhörer mehr sein können, aber König Fußball forderte an diesem Abend seinen Tribut. Der Stimmung jedoch tat dies keinerlei Abbruch.