Schwarzwälder Bote / Donnerstag, 16.07.1998

Blicke in außergewöhnliche Klangwelt

Im Kesselhaus wurden Kammermusik-Kompositionen von Uli Johannes Kieckbusch gespielt



Kieckbusch's Kammermusik-Kompositionen gab es am Dienstag beim "Kesselhaustreiben" zu hören.
Foto: Mareike Layer

Trossingen. Musik, die schwer in Worte zu fassen ist: modern, expressionistisch, emotionsgeladen, schmerzend, schwingend, meditativ. Ein Kessel Buntes waren die Kammermusik-Kompositionen von Uli Johannes Kieckbusch der letzten 15 Jahre. Kieckbusch selbst, Professor Abbie Conant und "The Blech Forest Trombone Ensemble" sowie zahlreiche Solisten gaben am Dienstag abend Einblick in eine außergewöhnliche Klangwelt.
Als Zuhörer braucht man stets eine zeitlang, sich in der anscheinenden Reglosigkeit zurechtzufinden. Jedoch wirkliches Chaos gibt es auch in der modernen Musik nicht. Sobald Schemen erkennbar sind, entwickelt sie sich weiter. Daneben stehen unaufhörlich wiederholte Motive. Etüde No. 4, Klavier sechshändig, ist dafür ein treffendes Beispiel. In Stücken mit solistischer Gewichtung bilden oftmals in sich bewegte Cluster die Basis. Ein Kompositionsauftrag, "Erich Hauser II", ist in dieser Art geschrieben. Professor Abbie Conant gewann der Posaune in einem regelrechten "Kampf" Klänge ab, die von zerberstend, drängend bis über seufzend und schließlich hell und klar schwingend reichen. Zum Schluß schient es eine Einigung zwischen der Posaune und der "Basis" zu geben, die ein Gefühl von Triumph vermittelt.
Kieckbuschs Kompositionen sind in keiner Weise technischer Kunst unterworfen. Sie leben von den Emotionen. Einige seiner Werke gehören zur lyrischen Improvisation. "Nan-In" beispielsweise erzählt eine Geschichte über einen Professor der Sen-Philosophie. Ein klarer Wechsel der Tonhöhen gibt dem Stück einen Dialogcharakter. "Music for Sinead O'Connor" erhielt keine Vorgaben. Dorothea Mertens Sopranstimme schien aus dem Nebel in die Höhe zu steigen und ließ Assoziationen eines Novemberabends am See aufkommen.
Klare Aussagen über die Vorstellungen des Künstlers kann man in keinem Stück machen. Dafür sind Gefühle viel zu subjektiv. Eindeutig bewiesen wurde an diesem Abend wie an allen anderen bisherigen Kesselhauskonzerten: Dabeisein ist alles. Das Ambiente, die mitunter visuelle Darstellung und die unvergleichliche Qualität eines Live-Konzertes kann durch keinen Tonträger ersetzt werden.