Schwarzwälder Bote / Mittwoch, 07.07.1999

Musik als gelungenes Experiment spielen

Finissage zur Kieckbusch-Ausstellung im Rottweiler Badhaus


Rottweil. Drei ausgezeichnete Musiker, drei eigenwillige Charaktere, die Instrumente: Querflöte, Schlagzeug und Flügel, dazu der Wunsch, miteinander Musik zu machen und zu experimentieren - das versprach einen abwechslungsreichen und interessanten Abend.
Am Sonntagabend gastierten im Rottweiler Theater im Badhaus Burkhard Jäckle, Soloflötist der Münchner Philharmoniker, Christian Wohlfahrt, Schlagzeuger aus Zürich, und der Komponist und Pianist Uli Johannes Kieckbusch aus Balingen. Es galt, eine Finissage zur laufenden Ausstellung "Tasten-Saiten-Objekte" mit Arbeiten von Uli J. Kieckbusch zu gestalten.
Das "Warm-Up" "Nachtstreuner" gab die Richtung an: fließende Sequenzen am Flügel, die sich wiederholen, in dunklen Baßregionen angesiedelt, dazu das klanglich höchst differenzierte und rhythmisch gestaltende Schlagzeug, und darüber die Flöte, die sich einfügt, die an Grenzen der Gestaltung geht, neue Klangfarben entdeckt, sich frei spielt.
Ein organisch miteinander agierendes Ensemble, das sich die Ideen, die Motive zuwirft, aufnimmt, verändert und wieder zurückfindet; das klanglich und auch melodisch (!), die Titel der Stücke auszudeuten und auf den Punkt zu bringen weiß; das um die unterschiedlichen Charakteristika auch der Poesie weiß und denen es gelingt, auch eines dieser aussagefähigen und dennoch in unverbindlichen Worten gehaltenen Gedichte von Else Lasker-Schüler musikalisch zu interpretieren. Variation eines Motivs, einer Sequenz, in verschiedenen Klangfarben und Tempi, in sich verändernden Arrangements, in Rhythmik, Dynamik, Klanghöhe, in Augmentation und Diminution, das waren die beherrschenden Themen des Abends, in vielfältiger Manier ausgestaltet, spannend und präsent angelegt, ob als fertige Komposition oder in freie Improvisation.
Uli Johannes Kieckbusch findet einen direkten musikalischen Zugang, der sich dem Zuhörer direkt übermittelt.
Und so gesehen sind es keine avantgardistischen Töne, die da zu hören waren, sondern eine eher persönlich gefundene und direkte musikalische Sprache, die auf hohem kammermusikalischen Niveau fußend die Zuhörer im Rottweiler Badhaus in ihren Bann zog. Kompositionen und Improvisationen, die den ganzen Menschen ansprechen - ein einfach Freude machender Abend, und die Zuhörer ließen die Musiker auch erst nach mehreren Zugaben gehen.

Martina Holbein