Schwarzwälder Bote / Freitag, 12.07.2002

Der Humor kommt nicht zu kurz

Uli J. Kieckbusch beim Kesselhaustreiben mit: Ewig währt am längsten



Uli Kieckbusch begeisterte einmal mehr seine Zuhörer.

Trossingen. "Ewig währt am längsten". Hinter diesem eher nüchtern und bieder anmutenden Wortspiel verbarg sich ein Abend voll spannender, fantasievoll bis geistreicher musikalischer Programmpunkte, bei denen nicht nur Komponist und Pianist Uli J. Kieckbusch vor Kreativität und Spielfreude nur so sprühte.

Klangkräftig unterstützt durch Abbie Conant (Posaune), Studierenden der Musikhochschule und Frank Golischewski als Rezitator gestaltete Kieckbusch sein persönliches Free-Jazz-Konzert zum weit gesteckten Themenkreis um Ewigkeit und Liebe.
Sanft-poetisch viele seiner musikalischen Werke wie besipielsweise die Vertonung eines Gedichtes aus den "alltäglichen Liedern von Liebe" des Brecht-Schülers Heinz Kahlau. Wie von weit her klingt die weiche Melodik der Querflöte, geradezu ein Eindruck von Ewigkeit schaffend. Kieckbuschs gesangliche Interpretation vom Klavier aus mutet dagegen an wie ein einfaches Kinderlied, der schlichten Weisheit dieses auch von Sehnsucht sprechenden Textes durchaus angemessen, denn "in jeder Liebe bleibt ein Teil der Träume ungestillt".
Kieckbuschs Musik wartet mit viel Wahrhaftigem und Ursprünglichem auf, gar Kindlichem im positiven Sinne des Wortes wie der unbändigen Lust am Experimentieren und dem Explodieren emotionaler Urgewalten.
Kieckbuschs pianistische Reflexionen zum Thema "Jimmy Hendrix" loten die mannigfaltigsten Extreme aus und geraten dabei gleichzeitig zu deren Verschmelzung. Was zunächst harmlos, wenn auch lieblich dahinplätschernd beginnt, wird zum aufregenden, packenden Stück, in dem aggressives Bearbeiten der Tastatur in unmerklich fließendem Übergang zum "kultivierten", "normalen" Spiel wird und umgekehrt.
Der Humor kommt natürlich nicht zu kurz, wenn Kieckbusch beispielsweise seine vokale Einlage in seinem Stück "Auf ein Neues" zum Besten gibt: Seufzend, schnaufend, schnatternd steht der Künstler vor dem Posaunenchor (Abbie Conant im Kreise ihrer Studierenden), der im vollen, strahlenden Klang den musikalischen Hintergrund für diese Darbietungen liefert.
Durch großartiges Spiel besticht Conant auch solistisch (von Kieckbusch am präparierten Klavier begleitet) mit schier unglaublichen Posaunentönen von bezaubernder Sanftheit bis kraftvoll-markig.
Und eben jene ungebändigte Freude der Künstlerin am klanglichen Experimentieren auf dem Instrument und mit der eigenen Stimme teilt sich unverkrampft dem Publikum mit.