Schwarzwälder Bote / Dienstag, 09.09.2003

Pianisten mit traumwandlerischer Sicherheit

Große Resonanz auf die Aufführung der Nachtmusik "Blaumond" in der Klavierklinik



Führten den Blaumond auf (von links): Uli J. Kieckbusch, Dietrich Schöller-Manno, Angela Seiwerth, Goetz Mursch und Ulrike Schaper.

Balingen. Als Auftragswerk hätte es nicht besser passen können: Mit "Blaumond", der Nachtmusik für vier Klaviere, legte Uli Johannes Kieckbusch schon vor drei Jahren gewissermaßen den Soundtrack zur "Blauen Nacht" vor. Am Samstag war er in der Klavierklinik Mauri zu hören.

Überraschend war die große Resonanz mit über hundert Zuhörern. Da reichten die Stühle nicht mehr, einzelne mussten auf den Klavierhockern der Exponate Platz nehmen. Kieckbusch führt diesen Erfolg auf seine Serenadenkonzerte zurück, die er im August in der Klavierklinik spielte.

Mit deren Repertoire lässt sich "Blaumond" aber kaum vergleichen. Boten die Serenadenkonzerte Stücke mit traditionell geprägter Rhythmik, Harmonik und Melodieführung, so ist "Blaumond" ein komplexes Werk der Neuen Musik, in dem solche Strukturen allenfalls verfremdend zitiert werden.

Jeder der vier Pianisten - Angela Seiwerth, Ulrike Schaper, Goetz Mursch und Uli Johannes Kieckbusch - stellte sich mit einem kurzen Mondlied vor. Ein programmatisches Präludium zum einen, das illustrierte, wie stark der Mond seit jeher Musik inspirierte. Eine klassische Exposition zum anderen: Die Lieder "Verstohlen geht der Mond auf", "Guter Mond, du gehst so stille" und "Der Mond ist aufgegangen" liefern am Höhepunkt des Werks das tonale Material.
Nach diesem Vorspiel begann unter der Leitung von Dietrich Schöller-Manno der "Blaumond". Eine fragile, zögerliche Melodiefolge steht für den Neumond, nach und nach werden die Stränge verdichtet, was den zunehmenden Mond symbolisiert und sich zu einem Vollmond-Fortissimo steigert. Das Zentrum bilden die drei altbekannten Mondlieder, im Zusammenklang in den höheren Lagen allerdings kaum zu entflechten und in den tiefen Lagen bis zur Unkenntlichkeit zerdehnt. Dennoch eine Klangcollage, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann, zumal ein lautstarker und dissonanter Improvisationsteil vorangeht.

Spiegelbildlich werden die Motive dann wieder aufgenommen, indem der Mond wieder abnimmt und schließlich in der Stille des Neumondes verklingt - ein etwa vierzigminütiges musikalisches Palindrom.

Herausragend war das konzentrierte Zusammenspiel der Akteure und die traumwandlerische Sicherheit, mit der Dietrich Schöller-Manno sie durch die kontrastreichen Wandlungen des Werks führte.

Boris Retzlaff