Schwarzwälder Bote / Dienstag, 28.03.2006

Auf tausend Tasten zu Blitz und Donner

Kieckbuschs "Blaumond" in Tübingen


Tübingen. Ob Conlon Nancarrows "Player-Pianos" oder John Cages "präpariertes Klavier" - die Geschichte der modernen Klaviermusik ist durch Bemühungen gekennzeichnet, die Begrenzungen des Tasteninstruments zu durchbrechen, neue Möglichkeiten zu erkunden. Der Komponist und Pianist Uli Johannes Kieckbusch aus Balingen (Zollernalbkreis), einer der rührigsten Tonkünstler im Südwesten, hat ein ähnliches Ziel vor Augen. Er spürt unentdeckten Potentialen des Klaviers im Zusammenspiel von mehreren Flügeln nach.

Die Grundidee: Ein Klavier kann unter den flinken Fingern eines Virtuosen wie ein kleines Orchester klingen. Welcher Klang lässt sich dann mit vier oder fünf Tasteninstrumenten erzeugen? Eine Antwort auf die Frage versucht Kieckbusch in seiner Komposition "Blaumond - Nachtmusik für vier Klaviere" zu geben. Obwohl nicht als Programmmusik gedacht, bestimmt der Zyklus des Mondes die Komposition.

Das Werk stand im Mittelpunkt eines Konzerts im C. Bechstein Centrum in Tübingen, auch als Präsentation der neueingespielten Kieckbusch-CD. Unter der Leitung von Dietrich Schöller-Manno wurde der Komponist von Klavierkollegen unterstützt: Angela Seiwerth, Maria Pasini, Noriko Wakabayashi und Goetz Mursch. Kieckbusch hat viel von der kompositorischen Technik eines Minimalisten wie Steve Reich gelernt und "Blaumond" auf kleine Motive aufgebaut.

Repetition und Variation bestimmen das Geschehen. Melodiefragmente werden wiederholt, ineinander geschoben, überlagert und verdichtet, bis sich aus dem musikalischen Geschehen eine Hypermelodie herausschält.

Es beginnt träumerisch verklärt. Dann werden immer mehr Töne und Akkorde eingestreut, bis sich die Spannung allmählich steigert, um in der Folge immer wieder in Wellenbewegungen ab- und anzuschwellen. Manchmal prasseln Töne wie dichter Regen herab, ein andermal ertönt dumpfes Donnergrollen aus der Tiefe. Wenn die Tasten in rasanter Geschwindigkeit in hoher Tonlage angeschlagen werden, entstehen verblüffende Klangflächen. Kieckbusch ist Klangphänomenen auf der Spur, die noch nicht ausgereizt scheinen.

(Christoph Wagner)



Der amerikanische Tonkünstler John Cage hat auch bei den Donaueschinger Musiktagen für etliche Höhepunkte der zeitgenössischen Musik gesorgt. Auch der Balinger Komponist Uli Johannes Kieckbusch zehrt von seinen richtungsweisenden Ideen.