Schwarzwälder Bote / Montag, 09.02.2009

Die Töne werden zum Signal


Lange Musiknacht: Unerhört, ungehört oder zugehört? / Improvisation auf hohem Niveau


Die für alles Neue in der Musik empfänglichen Konzertgäste kamen bei der "Langen Musiknacht" auf ihre Kosten.

Hechingen. Improvisationskunst auf höchstem Niveau, avantgardistische und herkömmliche Musik kennzeichneten die Neuauflage der "Langen Nacht der Musik" mit renommierten Künstlern um den Komponisten Uli Kieckbusch.

Unerhört, ungehört oder zugehört? Beim Konzert des Kunstvereins Hechingen werden diese Wörter bedeutend. Als unerhörtes Krach-Chaos mögen manche Konzertbesucher vielleicht jenes ächzen, knarzen, schaben, hauchen, brummen oder quieken empfunden haben, was da am Samstag zeitweise von der Stadthallenbühne erhört wurde. "Zu-gehört" vom Einerlei der überall verfügbaren Kommerz-Musik kamen die für alles Neue in der Musik empfänglichen Konzertgäste hier sicherlich auf ihre Kosten. Aber "un-gehört" war das allemal, was sich in den ersten Programmteilen am Set ereignete. Das lief etwa so ab: Der Grieche Floros Floridis erzeugt auf seiner Bassklarinette einen satt-sonoren Grundton. Als wollten sie ihre Instrumente stimmen, klinkt sich der Finne Harri Sjöström mit demgleichen, oktavierten Ton auf dem Sopransaxophon ein und buhlt mit dem tiefen Kellerton um die Bühnenpräsenz. Ungeordnet und wieder um Duett stehen die Töne im Raum und werden zum Signal für den Dresdner Schlagwerker Günter "Baby" Sommer, der nun beginnt, dem Stück so etwas wie eine Struktur vorzugeben. Der Gitarrist Peter Kleindienst aus Freiburg reiht sich zu den Bläsern ein, die sich nunmehr mit großen Intervallen in kurzen Staccato-Tonsequenzen beschäftigen, und zupft, reibt, streicht an den Saiten.
Dann schrille oder gedämpfte Obertöne von beiden Bläsern, die mit den Klängen und Geräuschen von Gitarre und Schlagzeug in ein rhythmisch geordnetes Gefüge übergehen, bei dem jeder für sich, aber in gemeinsamer Bande fungiert. So sah es wohl auch Uli Kieckbusch, der sich dem Quartett mit der Marimbula zugesellte oder auf dem Flügel teils heftig seine Läufe oder wuchtigen Akkordsäulen aufspielte. Später wechselte er zur Mundharmonika oder arbeitete mit seiner Stimme. Etwa bei den "Liebesliedern" und anderen Stücken aus seiner Feder, die mit anderen Werken zeitgemäßer Richtungen die "Lange Nacht" abrundeten. Weitere Mitwirkende waren Judith Goldbach am Kontrabass und der Überraschungsgast Wolfgang Bayer am Klavier.

Willy Beyer