Schwarzwälder Bote / Montag, 25.06.2012

Klänge im Raum



Sie verwandelten die ehemalige Klosterkirche in einen Klangraum: Solistin war Carola Schärer (Vierte von rechts), Michael Grüber (links) initiierte das Konzert, dem weitere folgen werden. Foto: Steinmetz


Von Marzell Steinmetz

Sulz-Renfrizhausen. Zuerst erhebt sich eine Stimme im Kirchenraum, dann kommen weitere dazu, verschwimmen ineinander, schwellen an. Daraus entwickelt sich ein klarer Dreiklang: Das Kyrie Eleison wird intoniert.

Ein ungewöhnlicher Auftakt für ein ganz ungewöhnliches Konzert in der ehemaligen Klosterkirche: Am Samstagabend startete die erste Veranstaltung zum "Klangraum Kloster Bernstein". Mitwirkende waren ein Stimmenensemble aus Loßburg, die Sängerinnen Carola Schärer (Sopran), Christine Sommermeyer und Cristina Labarta-Demur, Uli Kieckbusch (Piano, Harmonika, Stimme) sowie Michael Grüber (Orgel, Cembalo, Clavichord), der die Veranstaltungsreihe initiiert hat.

70 bis 80 Besucher dürften es in dem Kirchenraum gewesen sein. Sie erlebten Klang und Stille in einer andächtigen und meditativen Weise. Mit einer Ausnahme sparten sie sich den Beifall bis zum Schluss auf.

"Ich hab die Nacht geträumet", stimmte Carola Schärer mit ihrer klaren und kräftigen Sopranstimme auf der Empore an. Uli Kieckbusch begleitete, durchaus ungewöhnlich, den Gesang mit seiner Harmonika, die er meisterlich spielte. Das stellte er auch bei der Bernstein-Ballade unter Beweis. Sie hob sich ab von den zuvor gesungenen geistlichen Liedern. Fast wie ein Blues klang die Ballade, dazu setzte Kieckbusch seine gutturale Stimme wie ein Instrument ein und weckte damit die Zuhörer aus ihrer bislang andächtigen Haltung.

Mit der Courante auf dem Elektro-Piano und der Fantasie in C-Dur auf einer kleinen Pfeifenorgel, beides von Johann Sebastian Bach, zeigte Michael Grüber sein Können auf den Tasteninstrumenten. Er war auch ein feinfühliger, angenehm zurückhaltender instrumentaler Begleiter der Sänger, verstand es, bisweilen ungewöhnliche Klänge der Orgel zu entlocken.

Herausragend die Soloparts von Carola Schärer: Sie sang unter anderem Volkslieder von Johannes Brahms. Das Wiegenlied "Guten Abend, gute Nacht" trug sie, zusammen mit Uli Kieckbusch am Piano, in einer leicht verjazzten Version so beeindruckend vor, dass sich das Publikum nun nicht mehr mit Beifall zurückhalten konnte. Zuvor hörten die Besucher das schöne schwedische Volkslied "Vem kann segla" von Carola Schärer zusammen mit Christine Sommermeyer und Cristina Labarta-Demur.

Klänge kamen noch aus einer ganz anderen Richtung, nämlich von der Lautsprecheranlage im Eingangsbereich des Kirchenraums. Es waren die Tropfgeräusche des Rottweiler Künstlers Fritz Rapp, die Kieckbusch zu einer rhythmischen Schlagwerk-Improvisation animierten. Dass der Resonanzkörper, temperamentvoll bearbeitet, auf den Boden fiel, war zwar nicht gewollt, aber ein guter Schlusspunkt.

Kunst und Gesang gingen nicht nur hier eine Symbiose ein. Rapps Karfreitagskreuz, eine Laserinstallation des Künstlers, wurde an die Wand geworfen. Vier Punkte bewegten sich langsam aufeinander zu. Orgeltöne und Stimmen erklangen, zunächst leise, dann immer lauter und schriller bis zu einem abruptem Schluss in dem Moment, als die vier Punkte ineinander verschmolzen.

Begeistert war der Beifall für dieses fast zweistündige Konzert, das bewusst ein Gegengewicht zum lauten kommerziellen Musikbetrieb setzen wollte.