Schwarzwälder Bote / Montag, 10.09.2012

Außergewöhnliche Klangkunst im Klangraum



Die Zuhörer erleben unter anderem auch eine "Tonleiter" in der Klosterkirche. Foto: Vögele


Von Ingrid Vögele

Oberndorf. Ein außergewöhnliches Konzert beeindruckte die Zuhörer in der Klosterkirche. Unter dem Titel "Dialog" vollzog sich dieser auf verschiedenen Ebenen. Bereits durch die Bestuhlung traten die Besucher in einen Dialog mit Jürgen Knubbens Kunstwerken.

Die Orgeltöne der "Fantasia in g-Moll" von Bach eröffneten als kraftvolle Klangrede das Konzert. In Dialog dazu trat aus einem Kunstwerk heraus ein Glockenspiel mit einem feinen Thema, mit der Mundharmonika im Duett weitergeführt und wieder leise verhallend. "Liebster Jesu, wir sind hier" Sopranstimme und Orgel setzten wieder barocke Akzente und auf einem Orgelgrundton variierte der Flügel das Thema. Und nicht nur dieser, sondern aus drei Büsten entlockte Uli Johannes Kieckbusch eine eigene Komposition.

Eine variierende Orgelbegleitung zum gesungenen "Wer nur den lieben Gott lässt walten" von der Empore aus lenkte den Blick in den Chorraum. Vom Boot aus intonierte Kieckbusch das "Oberndorfer Schifferlied", eine Uraufführung. Jeweils zwei Sopran- und Altstimmen, an weiteren Kunstwerken postiert, trugen als Begleitchor sinnbildlich den Klang nach oben.

Lang anhaltender Applaus belohnt die Künstler

Michael Grüber animierte die Besucher, "mitzusingen, zu summen, zu tanzen, jeder wie er kann und mag". In kurzer Zeit konnte man allein auf die Silben "ba-jum" Meereswellen nachempfinden, mal stärker, mal schwächer und inmitten dieses "Meeres" der einsame Schiffer mit seiner Mundharmonika, der drohenden Gefahr ständig bewusst durch dumpfe Paukenschläge (Alexander Saur).

Und wieder war es Bach, der mit einer getragenen Weise in Dialog trat zu einer hochfahrenden, alle Oktaven umfassenden Flügelkomposition. In den nachfolgenden Stücken führte der Klang der Stimme zu ganz ungewöhnlichen Wahrnehmungen. Sie erklang einmal zwischen Exponaten heraus, dann erreichten dunkle, guturale Laute, Zischlaute und gehauchte Töne das Ohr. Auch ein richtig lautmalerischer Teil mit hellen, aufgesetzten Tönen auf einer getragenen Grundweise zeigte, dass Klingen mehr sein kann als nur Singen.

Erst recht im Schlussteil mit Bachs "Toccata und Fuge d-Moll" zeigte Kieckbusch "Klangseiten" auf. Angeschlagene Seitenteile von Ausstellungsstücken erzeugten facettenreiche Klänge, Dreiklänge, aus mehreren Richtungen den Raum füllend und auch mit ganz ungewöhnlichen Schlaginstrumenten ausgeführt. Eine Tonleiter erlebten die Konzertbesucher dann ganz konkret.

Lang anhaltender Applaus belohnte die Klangkünstler und nochmals vernahm man das Schifferlied als Zugabe, vom Publikum noch kraftvoller intoniert als zuvor und den ganzen Kirchenraum füllend.