Schwarzwälder Bote / Samstag, 08.12.2012

Neue Klänge unter dem Weihnachtsbaum


Uli Johannes Kieckbusch improvisiert

Von Christoph Wagner



Der Balinger Uli Johannes Kieckbusch gewinnt vertraut klingenden Weihnachtsliedern völlig neue Seiten ab. Foto: Bernhard Jung

Balingen. Uli Johannes Kieckbusch ist ein kreativer Geist. Seit Jahren ist der Künstler, der in Balingen als Klavierlehrer seine Brötchen verdient, sowohl im Bereich der Musik als auch in der bildenden Kunst tätig.

Seine fragilen Kunstobjekte und Skulpturen fertigt er bevorzugt aus Bauelementen des Klaviers, wie Hämmerchen oder Tasten, die er auf neue Weise zusammenfügt und arrangiert und die in den vergangenen Jahren immer wieder in Ausstellungen in der Region zu sehen waren.

Ein ähnliches Konzept verfolgt Kieckbusch auch in seiner Musik, die Jazz, kreative Improvisation und zeitgenössische Kompositionsverfahren in origineller Manier verbindet. Für seine neueste Einspielung, seiner siebten CD seit 1990, wählte er traditionelle Weihnachtslieder als Ausgangspunkt, die er in jazzmäßiger Weise dekonstruiert und improvisatorisch neu zusammensetzt.

Im modernen Jazz ist Kieckbusch ein Routinier. Er war Meisterschüler des amerikanischen Freejazz-Pianostars Cecil Taylor und hat über die Jahre mit internationalen Größen der improvisierten Musik zusammengearbeitet wie dem ostdeutschen Schlagzeuger Günter Sommer, dem amerikanisches Flötisten Robert Dick und der Zürcher Pianistin Irčne Schweizer, die er alle paar Jahre zu einer sogenannten "Langen Nacht der Musik" nach Hechingen einlädt.

Jetzt wendet Kieckbusch seine Klavierspielkunst auf alte europäische Weihnachtslieder an. Ob "Es ist ein Ros entsprungen", "In Dulci Jubilo" oder "Vom Himmel hoch" - immer präsentiert der Pianist die weihnachtlichen Melodien zuerst in ihrer bekannten Form, wie sie tausendfach jedes Jahr unterm Christbaum gesungen werden.

Dabei schmuggelt er auch gelegentlich recht außergewöhnliche Akkorde und Intervalle ein. Danach werden die Stücke improvisatorisch weitergeflochten, wobei der Interpret Wert darauf legt, die Stimmung und Atmosphäre des jeweiligen Lieds nicht zu verändern, sondern zu intensivieren.

Kieckbusch betreibt keine virtuose Tastenartistik, sondern spinnt die Melodien auf behutsame und fantasievolle Weise fort – Einfachheit ist Trumpf! Pausen sind so wichtig wie die gespielten Noten. Mit dem gedrückten Klavierpedal lässt er manche Töne lange nachhallen. "Weit und still" heißt der passende Titel des Albums.

So entsteht eine versonnene Weihnachtsmusik, die die alten Lieder auf respektvolle Art in die Gegenwart holt. Kieckbusch gelingt es, selbst den bekanntesten Melodien in seinen andächtigen Pianomeditationen neue Facetten abzugewinnen, ohne ihnen Gewalt anzutun.