Südkurier / Dienstag, 17.10.1995

Eine musikalische Zwischenbilanz gezogen

Trossinger Pianist Uli Johannes Kieckbusch präsentiert in Villingen seine erste CD


Seit nunmehr 15 Jahren ist der Trossinger Pianist Uli Johannes Kieckbusch in der regionalen Musikszene aktiv. Er hat sich hier als ausgefallener Komponist ebenso einen Namen erarbeitet, wie als variationsreicher Pianist. Und immer wieder arbeitete Kieckbusch mit renommierten Jazzmusikern zusammen, mit denen er sich in schon als Geheimtip gehandelten Hauskonzerten gemeinsam musikalisch vorstellte. Dabei hat Kieckbusch seine Anschauungen ohne Abstriche vertreten und stets versucht, keine kommerziellen Zugeständnisse zu machen.

Eine Art musikalischer Zwischenbilanz ist daher seine erste CD "Dark Clouds", die er am Sonntag vormittag im Villinger Jazzkeller vorstellte. Auf der Scheibe versucht er die Erfahrungen aus 15jähriger Arbeit umzusetzen und hat eine Aufnahme zustandegebracht, die von hoher künstlerischer Reife zeugt, die ihre kompositorischen Reize hat und die die mittlerweile ausgefeilte Spieltechnik des Pianisten Uli Kieckbusch offenbart.
Vor einem kleinen interessierten Zuhörerkreis gab der Trossinger Musiker Erläuterungen über das Zustandekommen der einzelnen Stücke und spielte sie auch, teils selbst, teils - weil des Instrument bei der Aufnahme entsprechend präpariert war - vom Band.
Ein großes Vorbild von Kieckbusch ist Cecil Taylor, der amerikanische Pianist mit den Phantasieexplosionen, der der Jazzavantgarde viele entscheidende Impulse gab. Dem ist das Stück "Mars" gewidmet, in dem Kieckbusch versucht, die explosiven Klangwelten des Klavierzauberers nachzuempfinden. Ein anderer Musiker, der Einfluß auf die Arbeit des Trossingers genommen hat, ist der englische Bläser Evan Parker, dessen Improvisationskraft und technische Reife am Sopransaxophon immer wieder verblüfft. Diese Klangkaskaden greift der Pianist in dem Stück "Soprano" auf. Mit beiden - Taylor wie Parker - hat Kieckbusch übrigens schon mehrfach zusammengespielt.
Die Vielseitigkeit des Komponisten offenbart sich auf seiner CD in zwei Stücken, die Frauen gewidmet sind. In "Winter has come" malt er bizarre, impressionistische Klangfarben und im Titelstück "Dark Clouds" nimmt er eine Melodie aus dem 17. Jahrhundert und überträgt sie als Suite in zeitgemäße Jazzimprovisationsform mit einem kraftvollen, bluesdurchtränkten Abschluß.

Die etwas außergewöhnliche CD-Präsentation nutzte Kieckbusch auch, um dem Jazz-Club Villingen zu danken, der seit Jahren auch den regionalen Musikern immer wieder die Chance gibt, sich darzustellen. Das geschah dann auch ganz nach Art des Trossingers. Der hatte eine Komposition mitgebracht, in der die Jazz-Club-Macher Lisa Boulton und Dieter Dorer mit dem B und dem D den klanglichen Rahmen zogen, über den dann Kieckbusch improvisierte.

Die CD ist für den Pianisten Uli Johannes Kieckbusch nicht nur eine künstlerische Zwischenbilanz, sie wird ihm sicher auch Auftrieb für seine künftige Arbeit geben.

Friedhelm Schulz