Südkurier / Montag, 07.05.2007

Jugendmusikschule, Hegau-Gymnasium und Uli Johannes Kieckbusch musizieren

Faszination des Ungewohnten



Auch mit Carrarasteinen produziert Uli Johannes Kieckbusch Töne: Neue Klangwelten eröffnete das Konzert "Starke Musik" der Jugendmusikschule Singen.

Es war nicht unbedingt ein musikalischer Hörgenuss für Harmonie geprägte Ohren und auch für die Schülerinnen und Schüler der Jugendmusikschule (JMS) Singen ein eher ungewohntes Terrain. Aber das als "Starke Musik" angekündigte Konzert im Walburgis-Saal wurde seinem Titel mehr als gerecht: Den zahlreichen Zuhörern wurde ein musikalischer Leckerbissen ganz außergewöhnlicher Art geboten.
Was an Harmonie fehlte, machte die Vielseitigkeit der Instrumente und Klänge und die Faszination des Ungewohnten bei weitem wett. Schon die Titel des Programms erstaunten: "Jambaschagischi" für vier Stimmen, "Jambagatschi" für Stimme, Kalimba und Gitarre, oder "TarrMbira" für Gitarre und Mbira. Oder "Kiecktarra" und "Kiekalimbgi", wobei die Titel auf den Namen des Musikers Uli Johannes Kieckbusch schließen lassen. Ein Grenzgänger zwischen Neuer Musik und Jazz, zwischen Notiertem und Improvisiertem. Ihm gelingt das Kunststück, neue Formen und Klänge sowohl Insidern und auch einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.
Das bewies Kieckbusch an diesem Abend als Komponist der vorgetragenen Stücke und Improvisator, als Musiker mit Stimme und an zahlreichen Instrumenten. Dies Konzert war ein Gemeinschaftsprojekt der JMS Singen und des Hegau-Gymnasiums, Mitwirkende waren Lehrer, Schülerinnen und Schüler des Gesangs- und Instrumentalklassen. Gemeinsam mit Kieckbusch boten sie ein spannendes und anregendes Konzert.
Allen voran Kieckbusch, der virtuos in Jazzmanier über die Tastatur wirbelte, den Unterarm zu Hilfe nahm, dann wieder einzelne Tasten zu suchen schien und dem Piano Klänge entlockte, die in sphärische Weiten entführten. Sicher gewöhnungsbedürftig, aber die Zuhörer lauschten aufmerksam, schienen amüsiert über den Tonschwall, aber gleichzeitig stimuliert und beeindruckt. Kieckbusch liebt die schrägen Töne, verquickt sie in ein abgerundetes Ganzes und schafft selten gehörte Klangexperimente.
Und das ganz locker und spielerisch. Sei es mit exotischen Instrumenten wie Kalimba oder dem Daumenklavier "Mbira" aus Afrika, oder ganz einfach Carrarasteinen. Wie im Stück "B-E-C-H-Stein", wobei vier Pianospieler nur die vier Töne spielten und er auf dem Brett Carrarasteine ausbreitete, sie mit den Händen über die Fläche schob oder aneinander schlug und dadurch Töne produzierte.
Ein Konzert, das in dieser experimentellen Form für die mitwirkenden Musikschüler eine Herausforderung bedeutet hat. Dem Zuhörer aber einen unvergleichlichen Musikgenuss bot.

Christel Rossner