Südkurier / Freitag, 03.08.2012

Kunst kennt keine Grenzen

Projekt "Salem2Salem" geht in die dritte Runde - 24 Künstler arbeiten bis 19. August im Schloss



Bei der Eröffnung der dritten Auflage des internationalen Kunstprojekts "Salem2Salem" sorgte etwa das Justin-Morrissey-Quartett (benannt nach Bandleader Justin Morrissey, links) für kulturübergreifende Unterhaltung. Bild: Floetemeyer

Salem Mit einem Trommelwirbel auf einem alten Ölfass stimmt Albrecht Fendrich in der Bibliothek des Salemer Schlosses auf die dritte Runde des internationalen Kunstprojekts "Salem2Salem" ein. Fendrich ist bildender Künstler, macht aber auch Musik und verkörpert damit ideal die Idee des Projekts: grenzenloser Kulturaustausch über Kontinente hinweg aber auch über künstlerische Sparten sowie sprachliche und kulturelle Barrieren.

"Beim dritten Mal ist's Tradition", meint lächelnd Joachim Kruschwitz, Erster Landesbeamter, der bei der Eröffnung den Landrat vertritt. Charisse Phillips, aus Frankfurt angereiste stellvertretende US-Generalkonsulin greift das sofort auf: "Es ist jetzt Tradition und wir müssen dafür sorgen, dass sie weitergeht." Sie ist begeistert von dem Kulturaustausch, dieser Form der "direkten Diplomatie". Salem am Bodensee mit seiner "einzigartigen Strahlkraft" ist auch dem Land Baden-Württemberg lieb und teuer, wie Cornelia Ruppert vom Finanzministerium bekräftigt. Rund 47 Millionen Euro werde das Land hier in den nächsten 20 Jahren investieren. Schon die Wirkung der Zisterzienser, die Salem gründeten, habe weit über die Region hinausgereicht. "In diesem Kontext sehen wir Salem, als Ort der Begegnung."

Stefan Feucht, Leiter des Kulturamts Bodenseekreis, stellt den Katalog zu den ersten Begegnungen des "Salem2Salem"-Projekts 2010 und 2011 vor. Er erinnert an die Anfänge des Projekts 2009, als eine Delegation der amerikanischen Künstlervereinigung Salem Art Works erstmals den Bodensee besuchte, 2010 trafen sich 36 Künstler im deutschen Salem, 2011, schwärmt Feucht, arbeiteten 24 Leute in den Scheunen einer Farm bei Salem, New York. Von Anfang an seien die Musiker eine treibende Kraft gewesen. Und für den Sound des international besetzten Justin-Morissey-Quartetts, das bei der Eröffnung spielt, ist auch keine Übersetzungshilfe nötig. "Feels like home", heißt eines ihrer Stücke, man fühlt sich eben wie daheim. Uli Kieckbusch hat einen neuen "Salem2Salem"-Song komponiert. "Ich weiß jetzt was passiert, wenn das Salemer Schlossgespenst den New Yorker Blues trifft", scherzt Feucht. Anthony Cafritz wiederum, Direktor von Salem Art Works, die treibende Kraft auf US-Seite, zieht Feucht ein bisschen auf: "Wir haben Scheunen, ihr habt Schlösser." Cafritz hat dem Kulturamt einen Scheck über 20 000 Dollar, gestiftet von Barbara und Bill Carris, mitgebracht.

Dass das Geld für das Projekt gut angelegt ist, beweist auch die Lesung teilnehmender Künstler: Katrin Seglitz aus Ravensburg grübelt humorvoll über deutsch-englische Sprachprobleme. Wie etwa übersetzt man "Heilandsak"? Alice Duncan stellt den deutsch-amerikanischen Maler Rufus Grider vor. Philipp Schönthaler fährt mit den Besuchern literarisch per Schwarzwaldbahn an den Bodensee. Jürgen Weing überlegt: "Was haben die Künstler gemeinsam?" "Gemeinsame Mahlzeiten!" Und so serviert er ein dadaistisches "Frühes Stück."

Sylvia Floetemeyer


Das Projekt

Das internationale Kunstprojekt "Salem2Salem"(sprich: Salem t(w)o Salem, deutsch: von Salem nach Salem) gibt es seit 2010. Nach Runde eins in Salem am Bodensee und Runde zwei in Salem im US-Bundesstaat New York geht es 2012 in die dritte Auflage: 24 Künstler aus den USA, Polen, der Schweiz und Deutschland leben und arbeiten drei Wochen gemeinsam im Schloss Salem. Die Künstler kommen aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Film und Fotografie, Literatur und Musik. Organisiert wird das Projekt vom Kulturamt des Bodenseekreises, gefördert von den OEW, dem amerikanischen Ehepaar Barbara und Bill Carris, der amerikanischen Künstlergemeinschaft Salem Art Works, dem US-Generalkonsulat in Frankfurt, den Staatlichen Schlössern und Gärten, dem Bodenseekreis, der Gemeinde Salem und dem Verein BodenseeKulturraum. Eine Ausstellung mit den neu entstandenen Arbeiten wird am 18. August, 19 Uhr, im Neuen Museum in Salem eröffnet. (flo)