SüdwestPresse / Samstag, 08.07.2006

Zehn Jahre Kesselhaustreiben

Sphärenklänge zum Jubiläum

Abwechslungsreiches Programm unter der Leitung von Uli Kieckbusch kam gut an


Wie feiert man zehn Jahre Kesselhaustreiben? Am besten mit zehn Künstlern der vergangenen Jahre meinte Uli Kieckbusch am Donnerstag. Gemeinsam mit Prof. Abbie Conant (Posaune), Frank Golischewski (Rezitation), Reinhilde Klinghoff-Kühn (Flöte), Werner Klinghoff (Gitarre), Sorin Dumitru (Viola), Maria Pasini (Klavier), Rainer Ter Haest (Kontrabass) Kathrein Schumann (Gitarre) und Benjamin Schäfer (Schlagzeug) erstellte Kieckbusch ein abwechslungsreiches Programm.
"Eine einfache Geschichte" lautete das Motto des Abends, und Highlights der letzten Jahre sollten wieder erklingen, jedoch in anderen Besetzungen. Was in der Vergangenheit dem Klavier zugeordnet war, gehörte nun der Gitarre, die Posaune übernahm Klavierstücke. Exotische Instrumente von Kalimba bis Mbira und Ocean Drum setzten selten gehörte Akzente.
Diesen Abend als eine einfache Geschichte zu bezeichnen, war schlichtweg eine krasse Untertreibung. Auf der Bühne blieb in einem Gewirr von Instrumenten, Notenständern und Mikrofonen samt Kabeln kaum Platz für die Künstler. "Die Bühne ist einfach zehn Zentimeter zu klein", stellte Kieckbusch bedauernd fest. Dabei kennt er das Kesselhaus bestens, schließlich war er von Anfang an dabei, wenn im Kesselhaus das bunte Treiben herrschte.
Sphärenklänge entlockte Prof. Abbie Conant ihrer Posaune im Hintergrund, während Uli Kieckbusch mit Tamtam, Hölzern und Reisigbesen knisternd und wispernd Spannung aufbaute. Kieckbusch präsentierte eine Reihe eigener Kompositionen, darunter auch Uraufführungen wie "One Page for Charlie Haden" - eine ausgesprochen gefühlvolle Hommage an den Bassisten.
Mit Klavier, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug flanierte "Der Nachtstreuner" voller Tatendrang durch die Gassen, begierig sich zu amüsieren. "Improvisationen" für Posaune und Marimbula wurden durch prasselnden Regen untermalt. Kalimba und Mbira stammen aus Afrika. Die Töne werden durch Metallzungen erzeugt, die auf einen Resonanzkörper, vornehmlich Holz oder Bambusrohr montiert sind.
Für das "Daumenklavier" gibt es so gut wie keine Noten, Kieckbusch betritt auch hier Neuland und komponierte für die exotischen Instrumente ebenso wie für die kubanische Marimbula, eine Art Basskalimba. Setzte Kieckbusch noch seine Stimme ein, fällt der Unterschied schwer, denn Stimme und Kalimba scheinen zu verschmelzen, schnalzen, hämmern und klopfen, schmatzen und seufzen "jambagatschi", ein Trossinger Regengesang aus tiefstem Afrika verzauberte das Publikum im Kesselhaus.
Als 15jähriger habe er Mundharmonika gespielt und vor wenigen Jahren die BluesHarp wieder ausgegraben, erzählte Kiekbusch. "Die Tücken des Sommers" entpuppten sich als summender, aufgeregt brummender, lästiger Mückenschwarm, dem man auch mit wilden Verrenkungen kaum entkommt. Ein Text von Wilhelm Busch leitete über zu besinnlichen Tönen.
Der Tod von zwei Kommilitonen war Anlass für zwei Stücke. Melancholisch flüstern Gitarre und Kontrabass "Adieu A.H.". "Lamento" lässt Schmerz und Trauer ahnen. Kieckbusch ist nicht nur ideenreicher Komponist und hervorragender Pianist. Faszinierend und mit beschwörender Inbrunst trägt er zwei Lieder von André Heller vor. Gefühlsstürme offenbaren sich anschließend bei seiner Vertonung des Heinz-Kahlau-Textes "Die Liebe ist kein Zauberstab".
Doch was wäre das Kesselhaustreiben ohne die treibende Feder Frank Golischewski? Für Uli Kieckbusch Grund genug, ihm einen musikalischen "Dank" zu schreiben. Mit herzlichem Applaus dankte das Publikum.



Maria Pasini begleitet Uli Kieckbusch bei seinen gesungenen Beschwörungen der Liebe.
Bild: Helga Schattschneider