Südwestpresse / Dienstag, 04.12.2012

Sensible Improvisation


Uli Johannes Kieckbusch in "Härings Kulturcafè"

Dem Tag angemessen hielt am ersten Advent im Lichterglanz des Christbaums vorweihnachtliche Besinnlichkeit Einzug in "Härings Kulturcafè": Uli Johannes Kieckbusch bezauberte sein Publikum am Salonflügel mit feinsinnigen Weihnachtslied-Improvisationen.

Alfred Thiele



Bezauberte mit seinen Interpretationen von Advents- und Weihnachtsliedern: Uli Kieckbusch. Foto: Alfred Thiele

Schwenningen. Nur ganz wenige Plätze waren frei geblieben bei dieser jüngsten Veranstaltung in Thomas Härings Traditions-Kaffeehaus, zu dem Rolf G. Klaiber als Initiator dieser erfolgreichen und begrüßenswerten Reihe den Balinger Pianisten, Komponisten und Aktionskünstler Johannes Uli Kieckbusch eingeladen hatte. "Weit und still" lautete das treffende Motto dieser meditativ-besinnlichen, ab und zu ein wenig nostalgisch-wehmütigen Improvisationsreise in die Welt der traditionellen Advents- und Weihnachtsmelodien.

Mit seinen sensiblen und aus tiefstem Herzen kommenden Improvisationen über so wunderbare Lieder wie "Maria durch ein Dornwald ging", "O Heiland, reiß die Himmel auf", "Es ist ein Ros' entsprungen" oder "Jesu meine Freude" brachte Uli Johannes Kieckbusch sicher so manch schöne Erinnerung an längst vergangene Advents- und Weihnachtstage seiner Kindheit und Jugend zum Ausdruck. Und seine Zuhörer bezauberte er, verführte sie zum Träumen.

"Still und weit", intensiv lauschend und nach innen gekehrt konnten sie sich ganz den zauberhaften Klangwelten hingeben, die der Künstler dem alten Pfeiffer-Salonflügel entlockte, der schon zahlreiche Generationen mit seinem warmen und obertonreichen Klang erfreut hat. Uli Johannes Kieckbusch erwies sich an diesem Abend einmal mehr als wahrer Meister der "Tonmalerei" im eigentlichen und besten Sinne des Wortes. Die Klangfarben und die dynamischen Schattierungen, die er dem kleinen Flügel trotz seiner deutlich in die Jahre gekommenen Mechanik entlockte, waren schlichtweg phänomenal und faszinierend - vom feinsten Cantabile im Pianissimo über Glöckchen und Glocken sowie Klängen, die an ein Zymbal erinnerten, bis zum wuchtigen und orchestralen Fortissimo.

Kieckbuschs Improvisationen, die auch auf Elemente des Jazz und der Neuen Musik zurückgreifen, sprechen eine ab und zu geradezu mystische Sprache: dramatisch, aufwühlend und wuchtig, dann wieder singend, sanft, tröstend, beseelt und voller Tiefgang vermögen sie den unvoreingenommenen Zuhörer zu den letzten Fragen des Seins zu führen - "weit und still".