Südwestpresse / Samstag, 22.12.2012

Klingendes Gebet


Neue CD


Meditativ und zu Herzen gehend, ein Hauch von nostalgischer Wehmut, knappe dramatische Akzente, aufrüttelnd, betend: "Weit und still" nennt der Pianist und Komponist Johannes Uli Kieckbusch seine neue CD mit Weihnachtslied-Improvisationen unbedingt hörenswert.

Mit seinen sensiblen, aus tiefstem Herzen kommenden Improvisationen über so schöne alte Lieder und Choräle wie "Maria durch ein Dornwald ging", "O Heiland, reiß die Himmel auf" oder "Jesu meine Freude" bringt Uli Johannes Kieckbusch gewiss so manch schöne Erinnerung an längst vergangene Advents- und Weihnachtstage seiner eigenen Kindheit zum Ausdruck. Seine Zuhörer wiederum nimmt er mit auf eine faszinierende, ab und zu auch wehmütige und durch kurze dramatische Akzente hinterfragende Reise in die Klangwelten überwiegend traditioneller Weihnachtsmelodien. "Weit und still", intensiv lauschend und nach innen gekehrt, sollte man sich den Improvisationen und Kompositionen Kieckbuschs hingeben.

Die Klangfarben und die dynamischen Schattierungen, die er seinem Instrument entlockt, lassen aufhorchen vom feinsten, beinahe gehauchten Cantabile über Glöckchen und Glocken sowie Töne, die an ein Zymbal erinnern, bis hin zum wuchtigen und orchestralen Fortissimo.

"Maria durch ein' Dornwald ging" dieses wunderbare, fast schwermütige und vermutlich im frühen 17. Jahrhundert entstandene Lied greift Uli Johannes Kieckbusch gleich dreimal auf, um es jedes Mal aufs Neue zu entdecken und mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln zu interpretieren. Es wird somit quasi zum "Leitmotiv" dieser CD und deutet auf religiös-liturgische Dimensionen, wiederholt sich doch in jeder Strophe das uralte griechische "Kyrie Eleison" der katholischen Messfeier: "Herr erbarme Dich!" Kieckbuschs Improvisationen sprechen in der Tat oftmals eine geradezu mystische Sprache.

Seine Musik kann zu den letzten Fragen unseres Seins führen, sie kann zum klingenden Gebet werden "weit und still".