Schwäbische Zeitung / Montag, 06.12.1982

Uli Kieckbusch in Rottweil

Klänge, die über Konventionelles hinausgehen


Rottweil - Mit einem ungewöhnlichen Konzert beendete die Kulturinitiative Rottweil ihr Programm für dieses Jahr. Am Samstagabend trat der Pianist und Klarinettist Uli Kieckbusch im Sitzungssaal des Alten Gymnasiums auf. Als Vorgruppe bestritt das "Michelhölzle-Quartett" das Programm, in der Besetzung Claudia Wenz und Christine Pfeiffer (Querflöte), Barbara Class (Klavier) und Horst Eckert (Kontrabaß), das sozusagen zur Begrüßung mit einer modernen Komposition aufwartete, die vor allem durch ihren repetiven Charakter auffiel.

Uli Kieckbusch begann mit einem Stück für Klarinette, "der blaue Elefant", bei dem Kieckbusch dem Instrument verschiedenartige Töne, Klänge und Geräusche entlockte. Diese Behandlungsweise der Klarinette behielt er bei allen noch folgenden Stücken für dieses Instrument bei. Hinzu kamen Vokaleinlagen wie Seufzen, Stöhnen und ähnliches, die bei manchem Zuhörer Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Musik aufkommen ließen.

Das gilt wohl auch für Kieckbuschs Art, sich auf dem Klavier auszudrücken, wenn er zum Anschlag der Begleitklänge zu seinem Klarinettenspiel dazu sonst nicht gebräuchliche Körperteile verwendet.

Originelle Einfälle waren ein Stück für Klarinette und Hupe sowie für Drehorgel und Klavier, wobei Letzteres nicht den gängigen Vorstellungen von Instrumentalzusammenspiel entsprach. Es entstand der Eindruck, daß ein Aufeinandereingehen fehlte und daß stattdessen eher gegeneinander gespielt wurde. Dies lag daran, daß Kieckbusch die Drehorgeln (betätigt von Horst Eckert), die von Klang und Lautstärke her dem Flügel unterlegen ist, in den Hintergrund spielte.

Sehr beeindruckend, sowohl von der Idee als auch von der Wirkung her, war der Einfall, das Klavier durch zwischen die Saiten gesteckte Holzkeile, aber auch durch in den Instrumentkörper geworfene Gegenstände, wie Tischtennisball oder Wollbänder, zu präparieren.
Überhaupt schien es ein besonderes Anliegen von Kieckbusch gewesen zu sein, den Instrumenten über die konventionellen Möglichkeiten hinausgehenden Klänge zu entlocken. Bei seinem Klavierspiel wußte er durch ausgeprägtes Gefühl für Jazzrhythmik, Unabhängigkeit der beiden Hände, hohe Schnelligkeit und Beweglichkeit sowie durch Abwechslungsreichtum bei seinen Improvisationen zu überzeugen.