Schwäbische Zeitung / Mittwoch, 10.02.2004

Hechinger Kieckbusch-Konzert zum 50. Geburtstag


Zwischenbilanz eines Grenzgängers

HECHINGEN - Der Komponist und Pianist Uli Johannes Kieckbusch zog nach 25 Jahren Musikschaffens und zum 50. Geburtstag eine öffentliche Zwischenbilanz, mit Musikern aus Deutschland, der Schweiz und Finnland. Ein anregendes Konzertereignis zwischen neuer und improvisierter Musik.

Von unserem Redakteur Bernd Guido Weber

Schon während seiner Studienzeit an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen fiel Uli Johannes Kieckbusch auf. Durch seine optimistische Art, seinem unverkennbaren Lacher am Ende einer Rede. Vor allem aber durch sein Klavierspiel, sein Interesse an neuer Musik. John Cage lernte er in Donaueschingen kennen. Mit Irène Schweizer lieferte er in der Hochschule ein denkwürdiges "Duell". Neue, hierzulande unbekannte Pianisten aus New York lud er zu Wohnzimmerkonzerten; das Publikum kam von weither. Mit Cecil Taylor spielte er. Partner war Günther "Baby" Sommer, international gefeierter DDR-Jazzer ("Zentralquartett"), der jahrelang am Bodensee lebte und jetzt als Professor an der Musikhochschule Dresden lehrt.

Überraschend und witzig

Drei Kompositionen von Kieckbusch für Piano solo (Goetz Mursch, Trossingen) machen mit den Klavierwerk bekannt. Ostinato, repetitive Strukturen, obertonreiche Klänge herrschen vor - aber auch überraschende Wendungen wie die Aufforderung zur Improvisation mitten im Stück. "Winter has come" bezaubert mit ineinander gewobenen Linien, glasklaren, nachklingenden Tönen. "Quartrio" von 1997, für Flöte (Burkhard Jäckle, München), Piano und Schlagzeug, spielt in sich wiederholenden Mustern mit den Zahlen drei und vier. "Telekommunikation", mit Uli Kieckbusch und SWF-Jazzpreis-träger Bardo Henning an den Bechstein-Flügeln, ist eine trickreiche, energetische Kommunikation. Strenger klingt dagegen das "Quintett" - zwei Flügel, zwei Saxophone (Harri Sjoström und Jürg Solothurnmann) und Christian Wolfarth an den Drums: eine Hommage an den Free Jazz früherer Zeiten. Es gibt weitere Duos, Piano und Saxophon, Piano und Piano (mit Claudia Ulla Binder, Zürich), das kurzweilige Kieckbusch-Stück "Der Nachtstreuner" von 1998 als Quartett mit Flöte, Piano. Drums und Cello (Alfred Zimmerlin, Zürich), sowie ein Trio für Cello, Schlagzeug und Stimme. Uli Kieckbusch führt stakkatoartige Monologe in imaginärem Russisch. Überraschend und witzig.

Wer Stücke für präparierte Flügel mit verschrobenen Musikern assoziiert, die mangels virtuoser Kraft das Innenleben ihrer Klangmöbel erkunden, irrt beim Duo Bernhard Arndt (Berlin) und Kieckbusch. Mit Hilfe eines Tapetenrollers und anderer Hilfsmittel entsteht ein in sich stimmiges, manchmal gewaltiges Klanggemälde. Ein Höhepunkt. Als harmonisch klingendes Geburtstagsgeschenk hat Günter "Baby" Sommer "Hydra" dabei, entstanden auf der griechischen Insel. Sommer spielt es im Duo mit seiner Frau, der Flötistin Katharina Hilpert. Eine folklorehafte, eingängige Melodie schlägt er, synchron zur Querflöte, auf der "Hang", bevor er sich ans Drumset setzt, mit der ihm eigenen Melodik trommelt. Die "Hang" ist eine topfartige Steeldrum, wird in der Nähe von Bern gefertigt - und mit Sicherheit bald öfters zu hören sein.

Anspruchsvolle Bandbreite

Im Finale improvisieren alle Musikerinnen und Musiker mit sichtlicher Freude das Volksstück "Kieckbusch". Günter "Baby" Sommer leitet das Spontanensemble - kraftvoller Abschluss einer bemerkenswerten "Zwischenbilanz". Die zeigt neben der kompositorischen Bandbreite Kieckbuschs auch, dass neue wie improvisierte Musik anspruchsvoll sein und - abseits verbissener Nabelschau - trotzdem richtig Spaß machen kann.

Uli Johannes Kieckbusch hat bisher sechs CDs veröffentlicht. Noten und weitere Informationen unter kieckbusch@kunstundmusik.com