Schwäbische Zeitung / Freitag, 03.08.2012 (online)

Künstler inspirieren sich drei Wochen lang


24 Internationale Künstler arbeiten auf Schloss Salem im Projekt "Salem2Salem" zusammen

Von Stefanie Rebhan



Harmonieren schon jetzt gut zusammen: das Justin Morrissey-Quartett mit (von links) Justin Morrissey, Albrecht Fendrich, J. Jason Beck und Uli Johannes Kieckbusch. Foto: Stefanie Rebhan

SALEM - Zum dritten Mal treffen sich Künstler aus den USA und der Region Bodensee/Oberschwaben zum internationalen Kunstprojekt "Salem2Salem" im Schloss Salem. Drei Wochen lang werden die Maler, Bildhauer, Medienkünstler, Musiker und Schriftsteller zusammen dort arbeiten und am Schluss ihre Werke vorstellen. Organisiert wird das Projekt vom Kulturamt des Bodenseekreises.

Man sieht gleich, wer in der historischen Bibliothek zur Eröffnungsfeier von "Salem2Salem" in Schloss Salem Gast und wer Künstler ist. Letztere haben oft eine ganz spezielle Ausstrahlung und sprechen teilweise auch anders. Denn elf der 24 teilnehmenden Künstler kommen aus den USA, einer aus England, einer aus Polen und ein weiterer sogar aus Australien. "Das hier ist die dritte Auflage einer transatlantischen Begegnung. Ich finde, wenn es einmal passiert, ist es Zufall, beim zweiten Mal Nachahmung und beim dritten Tradition", sagt Joachim Kruschwitz, Erster Landesbeamter des Bodenseekreises.

Charisse Phillips, stellvertretende Generalkonsulin aus Frankfurt, beneide alle Künstler, die auf Schloss Salem leben dürfen. "Es verbindet, wenn Leute dieselben Interessen teilen, zusammen Erfahrungen machen und voneinander lernen", sagt sie. Als Ort des Dialogs, der Interkulturalität und Internationalität betrachtet Cor- nelia Ruppert vom Ministerium für Wirtschaft und Finanzen Baden- Württemberg Salem.

Das erste Mal mit von der Partie ist der Musiker und bildende Künstler Martin Bürck. "Ich erwarte mir spannende Begegnungen, neue Impulse durch die anderen, ein tolles Miteinander. Ich bin ohne Idee gekommen, was ich hier auf die Beine stellen könnte. Ich schaue, was der Ort und die Menschen in mir auslösen", sagt er. Er wohnt mit den anderen in den Räumen von Schloss Salem. Sie werden auf dem Schloss-Gelände im Freien, im Neuen Museum oder in der Kunstschmiede arbeiten. Zweieinhalb Tonnen Metall hätten sie sich bereits auf dem Ravensburger Schrottplatz zur künstlerischen Verarbeitung zusammengesucht. "Wir haben die Böden der Räume schon abgedeckt. Die meisten sind richtig arbeitswütig und können es kaum erwarten", so Bürck.

Jeder Künstler bekommt über das Kulturamt ein Budget, mit dem er Künstlerzubehör kaufen kann. Davon braucht Justin Morrissey aus Australien nicht viel, er bringt die meisten Materialien als Medienkünstler selbst mit, und auch sein Banjo ist mit dabei. Er kam über eine Skulpturen-Ausstellung mit amerikanischen und deutschen Künstlern zusammen, die ihn auf das Projekt "Salem2Salem" brachten. "Ich hoffe, nach den drei Wochen 23 Freundschaften geschlossen zu haben – wenn nicht mehr. Außerdem werde ich mich von den anderen Kunst-Disziplinen inspirieren lassen", sagt Morrissey. Er habe noch nie von einem Projekt gehört, das alle Kunstdisziplinen vereint, und freut sich über die Möglichkeiten, die sich dadurch auftun: "Für uns gibt es praktisch kaum Grenzen."

&UUml;ber die beiden ersten „Salem2Salem“-Runden, die in Salem und im US-Bundesstaat New York stattfanden, wurde ein Katalog hergestellt, der die gemeinsame Zeit der Künstler dokumentiert. "Dabei waren es immer die Musiker, die sich zuerst gefunden haben", erklärt Kreiskulturamtsleiter Stefan Feucht. Auch am Eröffnungsabend gab das Justin Morrissey-Quartett neben vier Schriftstellern eine Kostprobe ihres gemeinsamen Schaffens. Die Geschichte am Rande: Ein deutscher Künstler wird bald eine US-Künstlerin heiraten – sie haben sich beim ersten "Salem2Salem" 2010 kennen gelernt.