Trossinger Zeitung / Dienstag, 15.07.1997

Roberts, Sommer und Kieckbusch bringen das Kesselhaus zum Schwingen


Die Sängerin Judy Roberts, der Schlagzeuger Günter Baby Sommer und der Pianist Uli Johannes Kieckbusch überzeugten mit einem glanzvollen Abschluß der jüngsten Veranstaltungsreihe im Alten Kesselhaus.

Trossingen - Das war mehr als ein gelungener Abschluß des rund zehntägigen Treibens im Alten Hohner Kesselhaus: Uli Joh. Kieckbusch hatte die Sängerin Judy Roberts und den Schlagzeuger Günter Baby Sommer eingeladen, um in einem gemeinsamen Improvisationskonzert noch einmal die alte Strom-Station zum Schwingen zu bringen. Gut halbvoll die Stuhlreihen, machte sich gleich eine erwartungsfrohe Stimmung breit: wie würde das klingen, was die drei da produzierten, zum ersten Mal in dieser Formation zusammen? Wie Einstimmgeräusche zunächst, mit denen Judy Roberts ihre Stimme aufzuwärmen schien, Räuspern, Antesten, Ausprobieren auch auf den anderen Instrumenten. Eine Warmspielphase, in der die drei aber bereits ihr Repertoire an Möglichkeiten erkennen ließen: Judy Roberts mit allen vokalen Wassern gewaschen, einem vollen, sauberen Sopran, wenn es gewünscht war, aber auch präziser Sprechstimme, Uli Joh. Kieckbusch mit dem präparierten Flügel, in dem Tischtennisbälle und andere mittönende Gegenstände das Schwingen der Saiten aufnahmen und verstärkten oder mit Verzerrung des Klangs reagierten. Und schließlich Günter Baby Sommer, einen schier unüberblickbaren Reichtum der Percussionsinstrumente aufzeigend, mit atemberaubender Geschwindigkeit spielend und in einem zehntel Augenblick von einer Stimmung auf die andere wechselnd. Zwei Stücke lang wurde gehört und gegenseitig ausgetestet. Dann fand man zu gemeinsamer Sprache, und was da vor allem nach der Pause abging, war unerhörte Könnerschaft gepaart mit nicht enden wollenden Einfällen. Das gipfelte in einer Lach-Orgie der Sängerin, die übrigens die Mitspieler und das Publikum ansteckte, über sagenhaftem Ostinato in Piano und Percussion. Da tauchte plötzlich fernöstliche Stimmung auf, da hüpfte die Gurgel der Sängerin, wie die Tennisbälle, die im Klavier bis unter den widerspiegelnden Flügeldeckel sprangen, einer Judy Roberts entgegen, die ihn nonchalant wieder zurückwarf, während sie den Schlagzeug-Stock, der Baby Sommer im Eifer des Gefechts durch die Luft wirbelte, nicht aufzufangen vermochte. Baby Sommer konterkarrikierte plötzlich mit einem Tango-Rhythmus, die Musik brachte das Kesselhaus zum Beben, das Publikum tobte. Rund 5000 Besucher haben die Veranstaltungen im Kesselhaus besucht, kaum einer, der nicht von Ambiente und Inhalt der Veranstaltungen begeistert gewesen wäre. Die Improvisationen von Kieckbusch, Roberts und Sommer setzten dem Ganzen noch die glitzernde Krone auf, elektrisierten zwischen den alten Strom-Turbinen - hoffentlich bald mal wieder in Trossingen!