Zollern-Alb Kurier / Donnerstag, 11.02.2004

Ein Garant für etwas Besonderes

Bühnenjubiläum / Kieckbusch feiert mit Fans und reichlich Musik

Seit 25 Jahren schafft es Uli Johannes Kieckbusch aus Balingen immer wieder, weit über den Zollernalbkreis hinaus von sich reden zu machen. Zum Dank an musikalische Weggefährten und Bewunderer seiner Kunst stellte er seine Vielseitigkeit bei der "Langen Nacht der Musik" in Hechingen einmal mehr unter Beweis.

Hechingen. Wer Uli Johannes Kieckbusch kennt, weiß, dass seine Kunst alles andere ist als "mainstream". Der Balinger liebt das Experiment. Seine Grenzen setzt er sich dabei, wenn überhaupt, selbst. Bei seiner Jubiläumsgala, die der Hechinger Kunstverein mitveranstaltete, erwähnte Kieckbusch drei Vorlieben: Blues-Elemente, Ostinato und meditative Stimmungen. Der Komponist gab dem Publikum damit drei Kategorien an die Hand, mit deren Hilfe das Hören leichter fiel. Allerdings erschöpften sich diese Kategorien allzu schnell.

Nicht, dass die Vorführungen auf der Bühne etwa langweilig geworden wären. Dafür sorgten allein der ständige Wechsel der Gesichter und das pure Chaos, das zum Motor des Ablaufs wurde. Umso mehr erstaunte es, dass die Künstler ihre stoische Ruhe bewahrten und sich auch dann nicht hetzen ließen, als der Zeitrahmen längst überzogen war. Vielleicht liegt darin die Faszination. Kieckbusch steht für eine Kunst, die mehr als andere Formen eine Entwicklung darstellt.

In der Tat wird diese immer wieder auch formal hörbar. So zum Beispiel beim "Quartrio" (1997), wo im "Museum" Burkhard Jäckle (Flöte), Uli Johannes Kieckbusch (Piano) und Christian Wolfarth (Schlagzeug) eine regelmäßig wiederkehrende Figur jedes Mal ein kleines bisschen veränderten. So schufen sie im ersten Teil des Stücks einen beständig wachsenden Spannungsbogen, der dem Zuhörer das Gefühl vermittelte, als werde die Musik in diesem Moment aus kleinsten Bausteinen zu einem individuellen Klangerlebnis zusammengesetzt. Angesichts häufiger Improvisationen ist dies ja auch wirklich ein wesentliches Element, das der Musik von Kieckbusch zugrunde liegt: Die Entstehung im Moment für den Moment.

Unter anderem aus Berlin und der Schweiz waren befreundete Künstler angereist, um mit Kieckbusch zu musizieren. So zum Beispiel Claudia Ulla Binder (Zürich), die ein ähnlich starkes Interesse an der Verfremdung des Klavierklangs entwickelt hat wie Kieckbusch. Dazu brachte sie beim "Solo für Uli" die Saiten manuell zum Schwingen. So erzeugte sie eine geheimnisvolles Heulen und Pfeifen, das sie durch starke Glissandi strukturierte. Dabei ließ sie oft mehrere Töne ineinander fließen. Mag man nun zu Kieckbusch Musik stehen wie man will. Eines ist trotz alles Verfremdung und Verwirrung in seinen Kompositionen gewiss: Sie sind und bleiben etwas Besonderes.

Christoph Müller