Experimenteller Geburtstag
"Lange Nacht der Musik" in Hechingen mit Uli Kieckbusch

Der Balinger Komponist Uli Johannes Kieckbusch feierte seinen 55. Geburtstag
mit "friends" in der Hechinger Stadthalle Museum mit einer "Langen Nacht der Musik".
Der Komponist Uli Johannes Kieckbusch aus Balingen hat sich und allen Jazzliebhabern
ein besonderes Geschenk gemacht. Zu seinem 55. Geburtstag gab er mit Freunden aus
ganz Europa eine Jazzsession der ganz eigenen Art.
Hechigen. Kieckbusch, der in Balingen lebt, lud zusammen mit dem Kunstverein Hechingen
namhafte Musiker ein, mit ihm zusammen - entlang eigener Kompositionen oder ganz frei -
Musik neu entstehen zu lassen. Gut 100 Zuhörer hatten sich am Samstagabend zur
"Langen Nacht der Musik" im Hechinger "Museum" eingefunden, um diesen
Schaffensprozessen beizuwohnen.
"Diese Musik musst du live erleben", schwärmt das Kunstvereinsmitglied Wilfried Schenkel,
"sie lebt vom Augenblick, von der Spannung, die erzeugt wird". Kieckbusch, der selbst Mitglied
des Kunstvereins Hechingen ist, beschreibt seine musikalische Entwicklung entgegengesetzt der
gängigen Ausbildung. Von der Avantgarde, dem Experimentellen, habe er sich
hin entwickelt zu gängigerem Jazz.
Nach diesem Schema war auch
der Abend im "Museum" aufgebaut: Das Avantgardistische und zweifelsohne die Höhepunkte zuerst.
Die Kunst der Improvisation lässt den genialen Musikern, die gekommen waren, alle Freiheit.
Duos, Trios, Quartette und Quintette improvisieren, aus der Situation heraus werden
Stücke entwickelt.
Das wiederum ist nur möglich mit so guten Musikern, wie sie Uli Kieckbusch um sich versammelt hatte.
Günter "Baby" Sommer ist einer der profiliiertesten Jazzschlagzeuger Deutschlands. Der
Dresdner war ab 1985 unter anderem mit den Schriftstellern Günther Grass und Christa Wolf auf
Tournee in der DDR. Sommer areitet als Professor an der Hochschule für Musik in Dresden. Harri
Sjöström, der sich dem avantgardistischen Jazz verschrieben hat, kommt aus Finnland und lebt in
Berlin und bevorzugt den Modern Jazz.
Auch Floros Floridis lebt in Berlin. Der Grieche an der Klarinette
und Bassklarinette wurde unter anderem bekannt für seine Filmmusik zu "Faruks Café". Peter
Kleindienst aus Freiburg spielt Gitarre.
Er ist einer der bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen
Jazz an diesem Instrument und Gründer des New Jazz Ensembles Freiburg. Am Bass vervollständigte
Judith Goldbach die Gruppe. Sie lebt in Mannheim, wurde aber nicht wegen der Affinität des
Gastgebers zu dieser Stadt eingeladen, sondem deshalb, weil sie am Bass
Spielwitz und Begabung für den Jazz demonstriert.
Während die teilweise von weither angereisten Jazzfans (ja,
auch aus Mannheim waren Besucher gesehen worden), in den ersten Teilen der Musiknacht sahen,
wie Drummer Sommer mal mit zwei Becken an den Händen entengleich über die Bühne watschelte,
mal mit seinen Wischwerkzeugen Fliegen fing und dabei mit seinen Kollegen
surreal anmutende Klangwelten schuf, wich später am Abend der Free Tazz den
Stücken "fürs Ohr".
"Jetzt beginnt der Brillenteil witzelte Sommer über die von Kieckbusch stapelweise
ausgeteilten Noten. "Mitbringsel", ein Klavierstück von Uli Kieckbusch für eine
befreundete Pianistin geschrieben, "Eine einfache Geschichte" oder "Eine kleine Liebesballade",
eine Vertonung des Francois-Villon-Gedichts, bei dessen Vortrag der Komponist nur vom
Bass unterstützt wurde, bildeten einen weiteren Teil.
Beim "Gabionentango" spielte Kieckbusch die Mundharmonika und wurde am Klavier unterstützt
von seinem Freund Wolfgang Bayer. Nach Mitternacht klang der Abend dann vor allem mit Kompositionen des Balingers aus.
Tanja Marquardt