Objektkunst von Uli Johannes Kieckbusch
Isabel Grüner M.A.
Pressetext für die Ausstellung von Uli Johannes Kieckbusch im Badhaus Rottweil
(1999)

Uli Johannes Kieckbusch als Objektkünstler
Objektkunst von Uli Johannes Kieckbusch

Objektkunst I (Fotos von Ulli F. Engel)
Objektkunst II (Fotos von Bernhard Jung)
Objektkunst III (Fotos von Horst Kurschat)
Objektkunst IV (Fotos von Uli Joh. Kieckbusch)
Objektkunst V (Fotos von Albrecht Fendrich)

Der Pianist und Komponist Uli Johannes Kieckbusch, in der Region bekannt durch seine zahlreichen Auftritte sowohl als Jazz- und Improvisationsmmusiker, als auch als Komponist und Interpret Neuer Musik, wird sich am 24. April 1999 im Badhaus Rottweil neben einem Konzert mit einer Ausstellung seiner künstlerischen Objekte präsentieren. Bereits seit vielen Jahren begleitet den Musiker die aktive Auseinandersetzung mit der Bildenen Kunst. In den letzten zehn Jahren sind aus seiner Hand vorwiegend Objekte entstanden, die in einem engen Zusammenhang mit seinem musikalischen Medium, dem Klavier stehen.

Objektkunst von Uli Johannes KieckbuschIn der Ausstellung im Badhaus werden bis zum 4. Juli 1999 fast ausschließlich "Tasten-Saiten-Objekte" von Uli Johannes Kieckbusch zu sehen sein, die aus verborgenen Funktionselementen des Klaviers bestehen. Die aus ihrem Gebrauchszusammenhang herausgelösten Elemente wie Klavierhämmer, Basssaiten und Pedale werden durch Kieckbusch neu angeordnet und zu Kunstobjekten zusammengefügt. Klavierhämmer beispielsweise, die flügelartig in einem schwarzen Männerschuh angeordnet sind, können beim Betrachter Assoziationen auslösen, die mit der ursprünglichen Funktion des Gebrauchselements nichts mehr zu tun haben. Die Assoziation mit dem stehenden Ausdruck "Musik verleiht Flügel" ist nur eine der vielen möglichen, die sich beim Betrachter einstellen können.

Die Voraussetzung für dir Kunstobjekte von Kieckbusch liegen in der langen Geschichte der Objektkunst verortet, die Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Ausgang nahm. Kubisten wie Picasso und Braque haben bereits Gebrauchsgegenstände umfunktioniert und ihnen eine neue bildnerische Bedeutung zugeordnet. Der aus einem Fahrradsattel und einer Lenkstange von Picasso evozierte Stierkopf ist nur ein Beispiel dafür.

Kieckbusch erzeugt mit seinen Objekten jedoch keinen neuen Bedeutungszusammenhang oder hinterfragt gar provokativ die Bedeutung von Kunst, er läßt vielmehr das Material der Gegenstände losgelöst von ihrer Funktion für sich sprechen. An einem Punkt aufgehängte und freischwingende Basssaiten haben unabhängig von ihrer ursprünglichen Funktion ihre eigene Material- und Formästhetik, die von Kieckbusch erkannt und hervorgehoben wird. An diesem Punkt läßt sich auch der Bogen zu seiner musikalischen Tätigkeit schlagen, bei der oft einzelne Töne und Tonfolgen aus der Lied- und Melodiebildung herausgegriffen und isoliert gespielt werden und damit eine eigene Wirkung und Bedeutung bekommen. In ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, entwickeln sowohl die Töne als auch die Funktionselemente des tonerzeugenden Instruments Klavier eine eigenständige Schönheit und Existenzberechtigung.